Peripartale Eltern-Baby-Bindung - PEBB

begleitet und unterstützt Familien im Zeitraum rund um Schwangerschaft, Geburt, Baby- und Kleinkindzeit.

Was ist Peripartale Eltern-Baby-Bindung - PEBB?

 

PEBB ist ein integrativer Interventionsansatz zur Prävention und Behandlung peripartaler Traumata, der den Aufbau einer feinfühligen und bedürfnisorientieren Beziehung zwischen Eltern und Babys, mit dem Ziel einer sicheren emotionalen Eltern-Baby-Bindung, fördert.   

 

PEBB bietet Babys, Kleinkinder und ihren Familien eine besondere Form der Prävention aber auch Möglichkeiten der Therapie.

 

PEBB, ein interdisziplinär ausgerichteter Ansatz, der bezüglich seines Ursachenverständnisses als auch in seinen Interventionsformen eine Verknüpfung von psychologisch, psychodynamisch und körperpsychotherapeutischem Wissen vereint. Der integrative Interventionsansatz basiert hauptsächlich auf den Theorien der "PPP-Psychologie", d.h. der Pränatalpsychologie, der Peripartalpsychologie und der Postpartalpsychologie (Ludwig Janus et al.), sowie den Erkenntnissen und Annahmen der humanistischen Psychologie, des Systemischen Ansatzes  und den Theorien der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie (IoPT) nach Franz Ruppert.  Einen besonderen Stellenwert nehmen die Grundannahmen der nach Wilhelm Reich (1897-1957) begründeten Körperpsychotherapie in der Peripartalen Eltern-Baby-Bindung ein. Darüber hinaus berücksichtigt er die neuesten Erkenntnisse aus Neurobiologie, Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung. PEBB unterscheidet sich daher von rein körperlichen bzw. rein psychodynamischen Behandlungsansätzen.

 

PEBB zeichnet sich dadurch aus, dass es Körper und Psyche als eine untrennbare, sich gegenseitig beeinflussende Einheit wahrnimmt.

Körper und Psyche streben stets ein harmonisches Gleichgewicht an und pendeln zwischen unterschiedlichen Zuständen in Richtung einer Homöostase. Bei guter Regulationsfähigkeit gelingt es Körper und Psyche selbsttätig von einen in den anderen Zustand zu gelangen. Dies wird im Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus in Bezug auf das autonome Nervensystem ersichtlich.

 

Bei Babys ist die Fähigkeit zur Selbst-Regulation durch das angeborene Temperament und die bisherigen Lebenserfahrungen, wie zum Beispiel Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt, unterschiedlich aus- geprägt.

Babys benötigen daher unterschiedlich viel Co-Regulation durch ihre Bezugspersonen in Form von Hilfestellungen beim Umgang mit aufregenden inneren und äußeren Reizen oder beispielsweise beim Einschlafen.

 

Die elterliche Co-Regulation basiert auf einem empathischen Einschwingen auf die kindlichen Gefühlszustände, Spiegeln von Gefühlen und ruhigem Vorleben des angestrebten Zustandes.

 

Körperlich und/oder psychisch belastende Ereignisse können die Selbst-Regulationsfähigkeit des Kindes  und die der Eltern erheblich beeinträchtigen. Das selbständige Schwingen von Erregung und Anspannung hin zu Entspannung oder Schlaf ist dann nur schwer oder gar nicht ohne Hilfestellung möglich.

 

 

Mögliche belastende Erfahrungen für Babys und ihre Mütter / Väter, die die Regulations- bzw. Schwingungsfähigkeit beeinträchtigen werden im Folgenden benannt

  • Komplikationen oder Ängste während Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt
  • vorangegangene Verlusterfahrungen, Fehl- oder Totgeburten
  • frühe Trennungserfahrungen
  • „Baby Blues“ oder postpartale Depression
  • wenig ausgeprägte selbst regulatorische Fähigkeiten des Säuglings, z.B.   exzessives Schreien, Fütter- und/oder Schlafstörungen
  • Belastungssituationen der Eltern, sei es finanziell, sozial oder in der Partnerschaft, etc.

 

PEBB betrachtet Mutter, Vater und Baby als Einheit; untrennbar miteinander verbunden und sich gegenseitig beeinflussend, in angenehmen und auch unangenehmen Gefühlszuständen.

Für Eltern, die selbst oder deren Babys belastende Erfahrungen durchgemacht haben oder gerade erleben, kann es schwierig bis unmöglich werden, ihrem Kind die nötige Co-Regulation zu geben. Eltern und Baby beeinflussen sich dann gegenseitig in einem negativen Kreislauf. Ein solches gegenseitiges Aufschaukeln der Anspannung kann das Zusammenwachsen und die Entwicklung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Baby negativ beeinträchtigen.

 

Eine sichere Bindung dient jedoch als lebenslanges Fundament der Beziehung einer der wichtigsten grundlegenden Faktoren für eine gesunde seelische, geistige, körperliche und soziale Entwicklung der Kinder und ein gelingendes Familienleben!

PEBB unterstützt, Mutter, Vater und Baby darin, aus Stress und Anspannung heraus wieder in einen entspannten Zustand zu kommen, der die Grundlage für den Aufbau einer sicheren emotionalen Elter-Baby-Bindung bildet.

  

 

Mögliche Problemfelder, die sich in der Peripartalzeit ergeben können

  • Kinderwunschbehandlungen und Risikoschwangerschaften mit erhöhtem Stresserleben
  • schwierige oder traumatisch erlebte Geburten
  • Schrei- Fütter-  und Schlafstörungen (Regulationsstörungen)
  • postnatale Depression
  • Trotzanfälle und Ablöseprobleme bis zum Alter von 3 Jahren

Von dem bindungs- und körperorientierten Ansatz der PEBB® profitieren nicht nur Säuglinge und Kleinkinder, sondern auch betroffene Eltern und ebenso Schwangere in der Präpartalzeit.  

 

Die Geburt eines Babys stellt ein einzigartiges und individuelles Erlebnis für die Eltern und Babys dar. Bei einigen Müttern und Familien ist diese Erlebnis getrübt. Mit der Geburt des Babys wird dieser Start ins neue Familienleben von Schmerz, Leid, Weinen und Hoffnungslosigkeit überschattet.

Statt in Gefühlen von liebevoller Zuneigung, Geborgenheit und Glück zu schwelgen, verlieren sich Eltern in Verzweiflung, Angst und Erschöpfung, schlimmstenfalls in Gewaltfantasien, die auch bis hin zum Übergriff auf das Kind kommen können, was es unbedingt zu verhindern gilt.

 

Um Familien einen bindungsbereiten Start ins Familienleben mit einer gesunden Basis zu ermöglichen und einem möglichen ungünstigen Start einen Wendepunkt zu geben, das heißt von der Anspannung und Verzweiflung wieder in die Entspannung, Liebe und Bindungsbereitschaft zu kommen, habe ich diesen integrativen Ansatz der PEBB entwickelt.

 

Es geht um eine frühzeitige wichtige Weichenstellung, die präventiv ausgerichtet ist, aber auch aus "Startschwierigkeiten" heraus, in Richtung einer sicheren Eltern-Baby-Bindung führt. 

 

Wissenschaftlicher Ansatz der PEBB 

 

PEBB ist ein interdisziplinär ausgerichteter Ansatz. Er ist sowohl im Ursachenverständnis als auch in den Interventionsformen eine Verknüpfung von psychologisch, psychodynamisch und körperpsychotherapeutischem Wissen. Der Ansatz basiert hauptsächlich auf den Erkenntnissen der humanistischen Psychologie und der Pränatalpsychologie, sowie den Grundannahmen der nach Wilhelm Reich (1897-1957) orientierten Körperpsychotherapie. Zudem berücksichtigt er die neuesten Erkenntnisse aus Neurobiologie, Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung.

 

Laut Pränatalpsychologie sind Schwangerschaft und Geburt prägend für das spätere Leben. Die ersten neun Monate im Uterus der Mutter sind das erste Zuhause auf der Erde. Die Bedingungen, die wir dort vorgefunden haben, werden als das Grundskript dafür verstanden, wie wir uns im späteren Leben fühlen. Von enormer Bedeutung ist das Erleben der Geburt: Die Geburt gilt als die erste Übergangserfahrung des Menschen: der oft schwierige Weg aus der Gebärmutter in die reale Welt. Die Umstände, unter denen ein Mensch geboren wird, prägen die Auseinandersetzung und das Verhalten bei Krisen, der Übergangssituationen im späteren Leben. All diese Erfahrungen sind im Unbewussten angelegt. Sie können Schlüsselsituationen für Stressverhaltensmuster und Krisensituationen sein.

 

Das humanistische Menschenbild nimmt an, dass Körper, Geist und Seele in enger Verbindung miteinander stehen. Gibt es in einem Bereich Probleme, tangiert dies auch die anderen Bereiche. Zudem lässt sich aus den Befunden der Neurobiologie/Hirnforschung, der Säuglings- und Bindungsforschung sowie aus der Sicht der Traumaforschung unmittelbar die Zweckmäßigkeit und Stichhaltigkeit einer Kombination von psychologischen/ beraterischen sowie körperpsychotherapeutischen Interventionen in Krisenlagen, besonders im Bereich der frühen Hilfen, ableiten. 

 

Der systemische Ansatz betrachtet in der systemisch-psychologischen Grundlagenforschung unter anderem mit der Systemischen Therapie (ST), welche ebenfalls eine Grundlage des PEBB-Konzeptes darstellt. Die Systemische Therapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren, dessen Fokus auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen liegt und das zusätzlich zu einem oder mehrerer Patienten („Indexpatienten“) weitere Mitglieder des für den/die Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezieht und/oder fokussiert ist und auf die Interaktion zwischen Familienmitgliedern und deren sozialer Umwelt eingeht. (Pinsof & Wynne, 1995)  Der Fokus im Systemischen Ansatz liegt in der Arbeit mit den Familien statt auf Einzelpatienten. Dadurch birgt der systemische Ansatz das Potential, neben den sozial-interaktiven auch die psychischen, somatischen und/oder kulturellen Prozesse zu betrachten - und vor allem auch deren gegenseitige Beeinflussung zu thematisieren.

 

In der nach Wilhelm Reich orientierten Körperpsychotherapie geht man von einem Energiefluss im Körper aus, ähnlich wie bei der Akupunktur. Zentrale Grundannahme körperorientierter Vorgehensweisen ist die Vorstellung eines „Körpergedächtnisses“, in dem bereits vorgeburtliche Erfahrungen abgespeichert werden. Es wird davon ausgegangen, dass es energetische Zusammenhänge zwischen psychologischem und physiologischem Geschehen gibt und dass innerorganismische Blockierungen entstehen können. Das Ziel besteht auf körperlicher Ebene darin, den pulsatorischen Strom des Babys und seiner Bezugspersonen so zu fördern, dass die Selbstregulationsprozesse gestärkt werden.

 

PEBB vereint die oben dargestellten Erkenntnisse miteinander. Das besondere Charakteristikum meiner Arbeit liegt darin, dass sie sowohl körperorientiert als auch im psychodynamischen Sinne ausdrücklich beziehungsorientiert und systemisch geprägt ist. Es wird den negativen prä- und peripartalen Erlebnissen und deren Auswirkungen auf mehreren Ebenen begegnet. Durch empathisches Zuhören, Spiegeln und Stärken wird beispielsweise angeregt, die eigene Geschichte besser annehmen zu können und sich selbst besser zu verstehen. Darüber hinaus wird über die Kombination von Gesprächen und Körperarbeit angeregt, eigene Intuitionen (wieder) besser zu spüren und ihr vertrauen zu lernen. Durch gezielte körpertherapeutische Interventionen können negative Erlebnisse auf der körperlichen Ebene gelindert werden. In der Folge können Babys und Bezugspersonen zur Ruhe kommen, defizitäre Bindungsmuster und andere negative Auswirkungen können sich positiv in Richtung einer feinfühligen und bedürfnisorientierten Beziehung zwischen Eltern und Kind, mit dem Ziel einer sicheren emotionalen Eltern-Baby-Bindung hin, verändern.

 

PEBB wurde von Claudia Clemens-Schneider (Bonn) entwickelt und wird aktuell an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn wissenschaftlich evaluiert.

Eine sichere Bindung 

entsteht durch 

ICH-WILL-SELBST-BEWUSST-SEIN

 

ICH-WILL-SELBST-BEWUSST-SEIN

entsteht durch 

eine sichere Bindung

Claudia Clemens-Schneider